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Der Platz, an dem das Wasser fließt

Auch dieses Buch gibt es in verschiedener Gestaltung. Bei den Exemplaren mit dem Reiher auf dem Umschlag ( das zweite in der Reihe) sind die Linolschnitte von Anja Junghans, einer Künstlerin aus Malchin. Die anderen Grafiken sind wie sonst auch von Judith Wolf. Die Textprobe ist der Anfang des Buches.

"Oft denkt sie. Sie denkt oft. Oft denkt sie, daß sie einfach zu oft denkt. Oft denkt sie in wachsenderErregung. Oft muß sie zunächst einmal rauchen in wachsender Erregung. Einmal denkt sie, nun muß ich dem aber nachgehen. Dabei denkt sie, das ist doch kein Anfang. So kann man das einfach nicht sagen. Und warum, denkt sie immer, kann man es nicht leben.Nein, denkt sie. Das ist schon wieder falsch.Ausflucht ins unpersönliche Man, als ob es so wäre für die Menschen, dabei ist es gerade das, was sie nicht mit allen anderen gemeinsam hat. Das Denken meinetwegen, oft. Und wie sie sich darin verheddert, wie sie spürt, daß die Worte sich verschlingen und wegführen von dem einen ersten kräftigen Gedanken, vielleicht, weil sie immer erst rauchen muß, bevor sie beginnt. Vielleicht, weil sie eben nie gleich beginnt. Warum, denkt sie, beginne ich nie gleich. Warum muß ich immer erst rauchen. Zum Beispiel, denn es kann auch etwas beliebiges Anderes sein, was sie immer erst tun muß. Um nicht zu beginnen. Und dabei im Hintergrund, oder im Untergrund, neue Gefahr, sich zu verheddern, indem sie einem Wort nachgeht. Das Sichere, das was stimmt, das was sie die ganze Zeit meint ist, daß sie oft denkt, bevor sie beginnt.Oft sitzt sie dabei und bleibt sitzen. Es muß nicht das Rauchen sein; es kann auch etwas Anderes sein. Worte aufschreiben kann es sein aber selbst damit beginnt sie selten sofort. Das würde sie doch schon geltenlassen, wenn sie gleich damit begänne, Worte zu machen. Nun verwirrt sich alles. Was aber bleibt, was sogar wächst während des Sitzens, ist die Erregung. Sie spinnt auch einen Faden; dabei beruhigt sie sich manchmal. Da beginnt sie ja etwas Wirkliches, da denkt sie manchmal nach einer Weile weniger; da denkt sie manchmal nur noch an die Wolle in der Hand, die zu einem Faden verfdreht wird. Spinnen ist echt, denkt sie. Überhaupt, was die Hände tun, das ist echt. Der Körper ist echt. Er sagt die Wahrheit. Der Körper, denkt sie, wenn sie beim Spinnen ja doch wieder  ..."